Strategische Instandhaltung als Managementaufgabe
Kosten, Risiken und Verfügbarkeit ganzheitlich steuern
Teil 2: Kosten senken oder Verfügbarkeit sichern?
Kernaussage: Die wirtschaftlich beste Lösung ist selten die billigste.
Kaum ein Bereich steht so stark zwischen Kosten- und Leistungsdruck wie die Instandhaltung.
Einerseits besteht die Erwartung, Budgets zu reduzieren und Einsparpotenziale zu realisieren. Andererseits wird gleichzeitig eine möglichst hohe Verfügbarkeit von Anlagen, Gebäuden und technischen Einrichtungen vorausgesetzt.
Die eigentliche Herausforderung liegt darin, das richtige Gleichgewicht zwischen Kosten, Risiko und Verfügbarkeit zu finden.
Dabei unterscheiden sich die Anforderungen erheblich.
- Produktionsstätten: Bereits kurze Ausfälle können Produktionsverluste, Lieferverzögerungen und Umsatzeinbußen verursachen.
- Bürogebäude: Technische Störungen beeinträchtigen primär die Produktivität und Arbeitsfähigkeit der Nutzer.
- Rechenzentren und kritische Technikstandorte: Selbst wenige Minuten Unterbrechung können erhebliche wirtschaftliche und organisatorische Folgen haben.
Eine pauschale Betrachtung der Instandhaltungskosten greift deshalb zu kurz.
Viel wichtiger ist die Frage, welche Gesamtkosten durch unterschiedliche Strategien entstehen.
Für jede Anlage sollten daher folgende Faktoren bewertet werden:
- Ausfallwahrscheinlichkeit
- Auswirkungen eines Ausfalls
- Reparaturkosten
- Instandhaltungskosten
- Sicherheitsanforderungen
- Nutzeranforderungen
- Verfügbarkeit von Redundanzen
Besonders interessant ist dabei eine Erkenntnis aus der Praxis:
Oft werden Wartungskosten sehr detailliert betrachtet, während die tatsächlichen Kosten eines Ausfalls kaum quantifiziert werden.
Dadurch entstehen Entscheidungen, die kurzfristig Einsparungen erzeugen, langfristig jedoch erhebliche Mehrkosten verursachen können.
Eine wirtschaftlich sinnvolle Instandhaltung betrachtet deshalb immer den gesamten Lebenszyklus einer Anlage und nicht ausschließlich das jährliche Instandhaltungsbudget.
Wer nur die Kosten der Instandhaltung betrachtet, übersieht häufig die Kosten eines Ausfalls.
Langfristig erfolgreich sind jene Organisationen, die beide Seiten gleichermaßen bewerten.
Ausblick auf Teil 3
➡️ Im nächsten Beitrag: Warum Instandhaltungsrückstände häufig deutlich teurer werden als die ursprünglich eingesparten Kosten.